EU-Kritik von links

DIE ANDERE EU-DEBATTE ist eine Alternative zur EU-Kritik von nationalkonservativer Seite. Anders als AUNS und Konsorten geht DIE ANDERE EU-DEBATTE nicht von den - meist unhinterfragten - "schweizerischen Interessen" aus, sondern stellt die konkrete Politik der EU und der Schweiz ins Zentrum der Debatte. Dadurch soll das oft gehörte Argument hinterfragt werden, wonach die Schweiz ihren politischen Idealen besser Ausdruck verleihen könnte wenn sie in der EU wäre. Im Gegensatz dazu wird hier davon ausgegangen, dass sich in der realen Politik selten Ideale, sondern in der Regel wirtschaftliche Interessen durchsetzen. Mit anderen Worten: die hehren Motive linker, grüner und linksliberaler Kreise sind schon in der schweizerischen Politlandschaft selten mehrheitsfähig. Das führt dazu, dass in der Europapolitik die Schweiz nur dort mit der EU in Konflikt gerät, wo sie wirtschaftliche Vorteile in Gefahr sieht, zum Beispiel beim Bankgeheimnis. Dort hingegen, wo eigentlich Idealismus gefragt wäre, beispielsweise in der Integrations- und Migrationspolitik, macht die Schweiz bereitwillig "bei Europa" mit - siehe Schengen/Dublin - oder fährt sogar einen Kurs, der die EU rechts überholt (Beispiel Ausschaffungsinitiative). In diesem Blog wird die These vertreten, dass die Schweiz dort, wo sie aus linker Sicht gegen die Politik der EU ankämpfen sollte, in Tat und Wahrheit mit der Politik der EU weitgehend übereinstimmt (These von der Konvergenz). Dort hingegen, wo selbstloses, d.h. von idealen Motiven geleitetes Handeln gefragt wäre, kann sich die Linke in der Regel weder in der Schweiz noch in der EU durchsetzen. Somit entpuppt sich das Argument, die Schweiz könne ihre politischen Ideale innerhalb der EU besser vertreten als im Alleingang, als Wunschdenken, Naivität oder Irreführung.

Samstag, 5. Juni 2010

Die Grundsatzfrage

DIE ANDERE EU-DEBATTE ist eine Alternative zur EU-Kritik von nationalkonservativer Seite. Anders als AUNS und Konsorten geht DIE ANDERE EU-DEBATTE nicht von den - meist unhinterfragten - "schweizerischen Interessen" aus, sondern stellt die konkrete Politik der EU und der Schweiz ins Zentrum der Debatte. Dadurch soll das oft gehörte Argument hinterfragt werden, wonach die Schweiz besser befähigt wäre Probleme anzugehen wenn sie in der EU wäre als bei einem weiteren Abseitsstehen.

Dieses Argument setzt voraus, dass die schweizerische Politik in relevanten Punkten überhaupt von derjenigen der EU abweicht. Das trifft bei Fragen zu, welche im - wie und von wem auch immer definierten - "nationalen Interesse" der Schweiz liegen, wie z.B. die Verteidigung des Bankgeheimnisses. Auf dieser Argumentationslinie bleibt jedoch meist unhinterfragt, ob sich die schweizerische Politik in Fragen jenseits der Interessenspolitik von derjenigen der EU grundsätzlich unterscheidet. Solche Grundsatzfragen stellen sich insbesondere in Bezug auf die Friedenspolitik, die Migrationspolitik und die globale Kluft zwischen Arm und Reich.

Aus diesen Gründen stehen folgende drei Fragen im Zentrum der Debatte:

(1) Was sind die wesentlichen Argumente für einen EU-Beitritt der Schweiz? Geht es um die Wahrung wirtschaftlicher Interessen gestützt auf Kosten-Nutzen Überlegungen? In diesem Fall sollten sich linke, grüne und linksliberale Kreise in der Schweiz, welche einen EU-Beitritt befürwortet, zu dieser pragmatischen und interessenorientierten Politik bekennen und aufhören, ethische und moralische Gründe für einen Beitritt der Schweiz zur EU vorzuschieben.

(2) Falls jedoch uneigennützige, d.h. idealistische, Argumente ins Spiel gebracht werden, wie beispielsweise die Stärkung der Menschenrechte und der Ausbau direktdemokratischer Instrumente, sollten diese im Einzelnen diskutiert werden. Insbesondere muss der Frage nachgegangen werden ob es wirklich stimmt dass die Schweiz uneigennützige Anliegen wie Menschenrechte und Friedenssicherung tatsächlich besser im Rahmen der EU fördern könnte. Denn von Seiten idealistischer EU-Befürworter wird oftmals stillschweigend vorausgesetzt, dass die EU ihrerseits eine auf Werten aufgebaute und an Idealen orientierte Gemeinschaft sei. Diese stillschweigend vorausgesetzte Annahme muss diskutiert werden. Folgende Fragen können dazu Anhaltspunkte liefern:

a) Was ist das ursprüngliche Motiv und der eigentliche Zweck der europäischen Einigung? Stand am Anfang tatsächlich die Friedenssicherung im Vordergrund oder dominierten von Anfang an antikommunistische, wirtschaftliche und neokoloniale Überlegungen? Und welches sind heute die Motive für weitere Integrationsschritte?

b) Was ist überhaupt "Europa"? Ist es wirklich eine "Wertegemeinschaft", wie oft gesagt wird, oder aber stecken dahinter unausgesprochene Annahmen, welche am ehesten mit Kulturalismus und Ethnozentrismus zu umschreiben sind? Ist es Zufall, dass die sich vertiefende europäische Integration mit einem Revival christlicher Rhetorik einhergeht?

c) Was bedeutet der zunehmende Ausbau der militärischen Kapazitäten der EU? Geht es darum, ein Gegengewicht zur Dominanz der USA herzustellen, wie vielfach behauptet wird, oder besteht die Absicht vielmehr darin, die nationalen Streitkräfte der EU-Mitgliedstaaten schrittweise in den NATO-Verbund zu integrieren? Warum sah sich der deutsche Bundespräsident Horst Köhler genötigt seinen Rücktritt zu erklären, nachdem er den Militäreinsatz in Afghanistan mit der Sicherung von Wirtschaftsinteressen in Zusammenhang gebracht hatte? Diese Fragen sind für die Schweiz auch ohne Beitritt zur EU von Bedeutung, weil sich die Schweiz bereits heute im Rahmen der KFOR-Mission im Kosovo (Swisscoy) und dem NATO Programm "Partnership for Peace (PfP)" an NATO- und EU-Militärstrukturen beteiligt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen