Wie die Sonntagszeitung am 6. Juni 2010 meldet, haben die Finanzminister der G-20 Staaten an ihrem Treffen eine Bankenabgabe abgelehnt:
06. Juni 2010, 13:19
Keine Einigung der G20-Finanzminister auf weltweite Bankenabgabe
Eine weltweite Bankenabgabe ist vorerst vom Tisch: Die Finanzminister der 20 einflussreichsten Industrie- und Schwellenländer (G20) konnten sich bei ihrem Treffen in Südkorea nicht auf eine solche Besteuerung der Geldhäuser einigen.
In der Abschlusserklärung ihres zweitägigen Treffens in der Hafenstadt Pusan forderten sie lediglich einen "fairen und substanziellen Beitrag" im Falle einer neuen Finanzkrise. Für die Abgabe sind die europäischen G20-Staaten sowie die USA, die von der Finanzkrise stark betroffen waren.
Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) macht sich für die Abgabe stark, mit der Rettungsmassnahmen zur Stützung der Finanzmärkte im Fall einer neuen Krise finanziert werden sollen. Länder wie Australien, Brasilien, Indien und Kanada, deren Banken von der Finanzkrise weitgehend verschont blieben, wollen den Banken hingegen keine zusätzlichen Kosten aufbürden (http://www.sonntagszeitung.ch/home/artikel-detailseite-sda/?newsid=135800).
Interessant ist nun, dass sich die Schweiz, anders als die EU, stets gegen eine Bankgenabgabe ausgesprochen hatte. Diese offizielle Haltung der Schweiz begründete laut Swissinfo Bundesrat Merz anlässlich eines IWF-Treffens am 25. April 2010 wie folgt: "Der Finanzsektor darf nicht zu stark belastet werden". Swissinfo meldete weiter:
Während die Schweiz also eine Bankenabgabe ablehnt, sind etwa die USA, Deutschland, Grossbritannien und Frankreich für eine Abgabe. Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds, der Franzose Dominique Strauss-Kahn, stellte sich auf die Seite der Befürworter.
"Jedes Land hat die Krise selber erlebt; man sollte deshalb den Mut oder die Weisheit haben, regionale und länderbezogene Lösungsansätze miteinzubringen", sagte Merz.
(http://www.swissinfo.ch/ger/specials/finanzkrise/Merz_in_Washington_gegen_Bankenabgabe.html?cid=8746228)
Die Bankenabgabe ist somit ein Beispiel für Fälle, wo die Schweiz aus egoistischen Motiven von einem allfälligen EU-Konsens abweichen würde. Das aber bringt EU-Befürworter, welche idealistische Argumente ins Feld führen, in ein Dilemma: eine Schweiz, welche der EU nur deshalb beitreten würde, damit sie - im Verbund mit Liechtenstein und Luxemburg - die Interessen ihres Finanzsektors effektiver verteidigen könnte, würde progressive Initiativen der EU behindern statt befördern...
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